Spanische Grippe und Covid-19 – Viele Parallelen

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Spanische Grippe und Covid-19 – Viele Parallelen

Dass es im Laufe der Jahrtausende zu etlichen Epidemien und Pandemien gekommen ist, wie zB. der Spanischen Grippe sollte jeder wissen. Wohl der bekannteste Vertreter ist der schwarze Tod, die Pest. Sie wütete im frühen Mittelalter und riss rund ein Drittel der europäischen Bevölkerung mit sich in den Abgrund. Auch in den Jahrtausenden davor gab es immer wieder Ausbrüche, wobei damals die Menschen nicht wussten, woher die Krankheit kam oder was dagegen unternommen werden konnte. Zum Anfang des 20. Jahrhunderts war das ein wenig anders, denn die Menschen haben sich bereits mit Viren und Bakterien beschäftigt, weshalb es umso überraschender war, dass während der Spanischen Grippe dennoch so viele Menschen starben.

 

Ähnliche Regeln wie bei Corona

Zwischen 20 und 50 Millionen Menschen starben an der Spanischen Grippe, welche kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs ausbrach. Um Herr über die Lage zu werden, haben die Regierungen bereits frühzeitig mit der Einführung von bestimmten Hygieneregeln begonnen, welche Ihnen bei einem Vergleich nur allzu bekannt vorkommen. Immerhin wirken diese beinah wie aus dem Jahr 2020/21. So druckte die Zeitung „Douglas Island News“ aus Alaska zum Beispiel am 15. November 1918 folgende Hygieneregeln aufs Titelblatt.

1. Tragen Sie eine Maske.

Das Tragen eines Mundschutzes war schon in der damaligen Zeit nichts Ungewöhnliches, denn ab diesem Punkt begann sich die Medizin intensiv mit dem Übertragungsweg von Keimen, Viren und Bakterien zu beschäftigen. Da es sich bei der Spanischen Grippe um eine Lungenerkrankung handelte, lag das Tragen eines Mundschutzes nahe.

2. Waschen Sie sich Ihre Hände sowohl vor als auch nach dem Essen.

Auch Hygiene wurde während der Spanischen Grippe großgeschrieben. Genauso wie bei der Corona-Pandemie wurden die Bürger dazu angehalten, häufig die Hände zu waschen. Damals beschränkte es sich meist noch auf vor und nach dem Essen, denn teilweise aßen die Menschen ohne Besteck, weshalb eine Übertragung durchaus möglich war.

3. Umgeben Sie sich tagsüber und nachts mit viel frischer Luft.

Frische Luft ist eine Wohltat für die Lunge und spült diese einmal richtig durch. Selbst in der Corona-Zeit sollten Sie häufiger frische Luft an Ihre Lunge lassen. Außerdem wird empfohlen, dass Sie Ihre Räumlichkeiten regelmäßig lüften. So „blasen“ Sie die Erreger direkt heraus und das gesamte Raumklima wird deutlich gesünder.

4. Halten Sie sich warm.

Diese Regel klingt genauso plausibel wie die zuvor, denn je kälter der Körper ist, desto schlechter arbeitet das Immunsystem. Insofern haben die Viren ein leichtes Spiel und können Sie deutlich schneller anstecken. Das gilt sowohl für die Spanische Grippe als auch Covid-19.

5. Gurgeln Sie regelmäßig mit Salzwasser.

Eine eher ungewöhnliche Maßnahme war das Gurgeln mit Salzwasser. Allerdings war es damals gar nicht so abwegig, denn das Salzwasser-Gurgeln hat eine antibakterielle, abschwellende, desinfizierende sowie entzündungshemmende Wirkung. Von daher wurde das Gurgeln immer nach Aufenthalten an der frischen Luft empfohlen, um irgendwelche Erreger im Mundraum oder Rachen abzutöten. Auch heute kann Salzwasser-Gurgeln durchaus hilfreich sein, jedoch nicht gegen das Corona-Virus. Das bedeutet, Sie können sich nicht zu 100 Prozent darauf verlassen, dass das Salzwasser jegliche Erreger abtötet. Als Hilfe gegen eine Erkältung oder Grippe ist es aber durchaus zu empfehlen. Dafür ein Teelöffel Salz in 250 Milliliter warmen Wasser auflösen und anschließend Gurgeln. Nicht herunterschlucken!

6. Beachten Sie die Quarantäneregeln!

Damals gab es wie heute diverse Quarantäneregeln, welche sich je nach Stadt oder Land unterschieden. Die Zeitung wies die Bürger darauf hin, dass sie sich daranhalten sollten. Wir müssen Ihnen wohl kaum sagen, dass dies auch für Sie gilt. Im Idealfall verlassen Sie das Haus nur, wenn Sie es wirklich müssen, wie zur Arbeit oder dem Einkaufen. Ansonsten bleiben Sie zu Hause oder schnappen nur einmal frische Luft.

7. Halten Sie sich von Gruppen fern.

Auch eine Regel, die es bei uns heute genauso gibt. Allerdings machte die Zeitung von damals einen kleinen Fehler, denn diese gab ebenfalls an „Sie können sich nur dann mit der Grippe infizieren, wenn Sie sich in der Nähe einer ansteckenden Person befinden.“ Das ist nicht korrekt, denn wir wissen es heute besser. Es ist auch eine Ansteckung per Schmierinfektion möglich. Das bedeutet, Sie berühren beispielsweise etwas, auf dem sich das Virus befindet und fassen sich danach ins Gesicht. Jetzt könnten Sie sich auch ohne Personenkontakt infiziert haben. Dennoch ist der Hauptgrund für eine Ansteckung eine erkrankte Person, weshalb Sie sich von Gruppen fernhalten sollten.

8. Vernachlässigen Sie nicht Ihre Maske.

Es ist nicht genau bekannt, was die Zeitung uns damit sagen wollte. Immerhin wurde bereits erwähnt, dass Sie eine Maske tragen sollen. Es könnte sich darauf beziehen, dass Sie Ihre Maske regelmäßig waschen oder auswechseln sollen. Oder schlichtweg, dass Sie Ihre Maske nie vergessen dürfen. All das gilt nämlich auch heute. Ihr Mundschutz ist die Barriere gegen das Virus. Vergessen Sie nur einmal Ihre Maske, könnten Sie sich direkt anstecken. Von daher: Vernachlässigen Sie Ihre Maske nicht.

9. Denken Sie nicht, dass Sie sich nicht infizieren oder die Krankheit weitergeben können.

Ebenfalls eine sehr wichtige Regel, denn einige Menschen gehen selbst heute davon aus, dass diese die Krankheit gar nicht bekommen können. Wie sollten sie dann andere infizieren? Das ist aber eine falsche Annahme, denn grundsätzlich könnte jeder jemanden anderen anstecken. Selbst geimpfte Personen, wobei das etwas anders ist. Jene können andere Menschen nicht durch Husten, Niesen oder Sprechen anstecken, sondern durch eine Schmierinfektion. Sie dienen anschließend wie eine Art Zwischenstation. Das bedeutet, der Geimpfte berührt etwas, was ein Erkrankter infiziert hat. Anschließend überträgt er das auf eine andere Person. Von daher sollten auch geimpfte Personen weiterhin auf die Handhygiene achten, selbst, wenn sie sich nicht mehr anstecken können.

10. Berühren Sie Ihr Gesicht nicht mit den Händen.

Die letzte Regel der Spanischen Grippe Pandemie war, dass Sie nicht mit Ihren Händen den Mund berühren. Heute gilt das ebenfalls, wobei wir Ihnen empfehlen, dass Sie sich mit Ihren Händen überhaupt nicht ins Gesicht fassen. Immerhin kann das Virus nicht nur über den Mund in den Körper gelangen, sondern auch über die Nase und die Augen. Am besten lassen Sie die Finger komplett aus dem Gesicht, selbst, wenn Sie sich diese vorher gewaschen haben.

 

Schon damals Maskengegner

Die Regeln kommen Ihnen mit Sicherheit sehr bekannt vor, denn von damals zu heute hat sich nur wenig verändert. Wir sind heute aber deutlich schlauer, was die Übertragung und somit auch die Eindämmung angeht. Gerade ein Mundschutz ist eine enorme Hilfe, denn dadurch wird die Aus- und Einatemluft gefiltert, wodurch wiederum Viren keine Chance haben. Dennoch gibt es heutzutage etliche Maskengegner, doch auch das ist nichts Neues. Bereits zu Zeiten der Spanischen Grippe wurden die Masken massiv kritisiert. In den USA wurden jene beispielsweise als „Maulkorb“, „Schweineschnauze“ oder „Bakterienschild“ bezeichnet. Außerdem wurden sogar Banküberfälle mit den damaligen Mund-Nasen-Bedeckungen ausgeführt, was natürlich kein gutes Licht auf diese warf. Aber auch die Medien machten sich über die neuen Regelungen lustig. So berichtete die „Los Angeles Times“ am 22. Oktober 1918 über die Masken in Restaurants: „Ein wahrlich lustiger Anblick findet sich dieser Tage in den großen Restaurants. Die Kellner und Gäste mit ihren Masken, und wie die Besucher jene nur kurz anheben, um sich einen Happen in den Mund zu schieben.“ Überraschend war es also nicht, dass einige Menschen sich schlichtweg weigerten, einen Mundschutz zu tragen. Ein großer Fehler, denn in den zwei Jahren (1918 bis 1920), in der die Spanische Grippe wütete, starben zwischen 20 und 50 Millionen Menschen.

 

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Medizinische Männer trugen Masken, um die Grippe im Krankenhaus der US-Armee zu vermeiden. 19. November 1918. Army Hospital Nr. 4. Fort Porter, N.Y. während der „spanischen Grippe“ Influenza-Pandemie 1918-19.

 

Warnungen der Ärzte von damals

Die Warnungen der damaligen Ärzte erinnern ebenfalls an heute. Die Bürger sollen die Maske regelmäßig tauschen, sie nicht mit den Fingern berühren und sich vor dem Auf- und Absetzen die Hände waschen. Leider half auch das nichts. Außerdem kam es zu immer mehr Unmut in der Bevölkerung. So beklagten sich die Promis in Los Angeles, dass diese nicht mehr erkannt werden. In San Francisco kam es hingegen vermehrt zu Prügeleien zwischen Masken- und Nicht-Maskenträgern, sogar ein Mann wurde erschossen. Auch Barbiere sowie Zigarrenhändler beschwerten sich, da diese weniger einnahmen. Die Innenstädte litten hingegen darunter, dass es kaum mehr Laufkundschaft gab, da die Menschen zu Hause blieben. Im Dezember 1918 wurde in San Francisco dann die „Anti-Masken-Liga“ gegründet. Insofern war die Maske, genauso wie heute, nicht mehr nur ein einfaches Mittel zur Verhinderung einer Ansteckung, sondern sie wurde zum politischen Symbol.

 

Lernen Sie von der Spanischen Grippe!

Die Spanische Grippe ist das beste Beispiel dafür, was wir in der aktuellen Zeit besser machen können. Schon damals traf die Gesellschaft auf dieselben Probleme wie heute und viele Menschen reagierten falsch. Sie verfluchten die Masken, stellten sich gegen die Empfehlung der Ärzte und sahen alle Regeln als persönlichen Angriff auf ihre Freiheit an, doch genau das sollten Sie nicht tun. Schon das Tragen eines Mundschutzes kann Ihr und das Leben von anderen Menschen retten. Es tut Ihnen nicht weh, es stört nur minimal und dennoch ist es einer der wichtigsten Maßnahmen, damit die Zahlen der Corona-Pandemie nicht auch bald auf bis zu 50 Millionen oder sogar mehr Todesopfer anwächst.

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